Haare im Ritual

Haare im Ritual

Haare sind magisch. Ihre Wirkung in Ritualen einzusetzen ist naheliegend und besonders kraftvoll. In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir meine Haargeschichte und von meinen Erfahrungen mit Haaren und Ritualen. Außerdem findest hier 7 Inspirationen, wie du mit deinen Haaren rituell umgehen kannst.

Die Magie der Haare

Dein Haar ist ein wichtiger Teil deines Äußeren. Mythen und Legenden ranken sich darum. Geschichten wie Loreley und Rapunzel kennt bereits jedes Kind. Zahlreiche Redewendungen prägen unseren Sprachgebrauch.

Haare sind Ausdruck von Verführung und Weiblichkeit. In alten Überlieferungen aller Art sind sie Symbol weiblicher Kraft und Magie. Prinzessinen haben oft goldenes Haar, die klassische Hexenhaarfarbe ist rot. Selbst heute rufen rote Haare unbewusst diese Assoziation hervor. Wenn du selbst mal knallrote Haare hattest, weißt du wovon ich spreche.

Im Märchen verführen die Sagengestalten häufig mit der Kraft ihrer Haare die Männer und nehmen sie mit in die Anderswelt.

Frauen verbargen und verbergen auch deshalb ihre Haare. Zum Schutz vor anderen. Und in vielen Kulturen und Traditionen ist es selbst heute noch nicht erlaubt fei und offen sein Haar zu zeigen.

Aus rein praktischen Gründen trage auch ich meist mein Haar im Zopf oder Dutt. Es arbeitet sich einfach leichter. Die meisten Frauen arbeiten über Jahrhunderte hinweg hart und schwer. Das zum Zopf gebundene Haar samst Kopftuch stand symbolisch gegenüber langem weichem offenen Haar, das als Luxus galt. Offene Haare war nur den wenigen Prinzessinnen vergönnt.

Heute darfst du beides haben. Heute Bäuerin. Morgen Rapunzelhaar. Nimm dir das Recht auf deine Haare zurück! Ganz bewusst. Du lebst heute den selbstverständlichen Luxus frei über dein Haar entscheiden zu können.

Da Haar allerdings mehr ist, als äußeres Zeichen, ist es auch irgendwie deine Pflicht dich darum zu kümmern als moderne Frau. Welches Symbol möchtest du in die Welt tragen? Welches Zeichen für deine Tochter setzen?

Heute hast du die Freiheit.

Da das Äußere und das Innere sich bedingen und eigentlich eins sind, verändert sich deine Ausstrahlung, dein Energiesystem, wenn du etwas an deinen Haaren veränderst und umgekehrt. Deine Haare sind Informationsträger. Rein DNA-technisch und auch energetisch. Hier sind all deine Erfahrungen abgespeichert.

Übrigens spielt auch bei den Haaren der Mond eine Rolle. Laut Mondkalender gibt es Tage, die sich besser fürs Haareschneiden eignen als andere. Ich selbst gehe mit dieser Vorgehensweise nicht in Resonanz, sondern entscheide das immer ganz intuitiv. Allerdings wäre es interessant auszuprobieren, ob da was dran ist. Vielleicht liest das ja jemand, der da Erfahrungen hat. Schreibt das gerne in die Kommentare.

rote Haare

Harrituale

Nun kommen wir aber endlich zum eigentlichen Anlass dieses Artikels. Den Ritualen. Es folgen 7 Inspirationen, wie du mit deinem Haar rituell wirken kannst. Ich bin ja ein großer Elementefan, deshalb beginnen wir damit.

1. LUFT

Ich öffne oft ganz intuitiv zu Beginn eines Rituals meine Haare. Manchmal auch mittendrin erst. Da erinnere ich mich an eine Begebenheit mit einer wunderbaren Frau während eines Rituals im Sommer. Ihre leuchtend roten Haare strahlten in der Sonne wunderbar als wir zum Abschluss des Rituals tanzten und trommelten. Mit dem Satz: „Ich hab auch Haare“, öffnete ich meine zuvor hochgesteckten Haare und wir lachten beide noch lange über diesen Ausdruck.

Wenn du deine Haare bewusst öffnest, stellst du damit sofort eine Verbindung nach oben und nach unten her.

Zeigst dich frei, offen und wahrhaftig. Deine Haare zu lösen steht auch für das wahrhaftige Entfesseln deiner Kraft. Schüttel deine offenen Haare und stell dich mitten in den Wind. Heiße die Luft in deinen Haaren willkommen.

2. FEUER

Das Verbrennen abgeschnittener Haare ist besonders magisch und kraftvoll. Wenn sich Materie in Asche verwandelt durch die Kraft des Feuers, geschieht Transformation pur. Altes wird gewandelt um Platz zu machen für das Neue.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Haarfeuerritual an einem Strand in Griechenland vor über 10 Jahren. Hatte alles voll gut vorbereitet und nicht damit gerechnet, dass Haare nicht so wirklich gut brennen. Also sorge für ein gutes Feuer. Sonst is das eher wie Plastik, das verschmirgelt, als wahre Wandlung in Asche.

Das Feuer kann tatsächlich helfen die Erfahrungen, die in deinen Haaren abgespeichert sind, leichter loszulassen.

3. WASSER

Das Haarewaschen ist nun wahrlich nichts Neues. Als bewusster Reinigungsprozess vollzogen und mit besonders viel Zeit und Achtsamkeit vollbracht kann es jedoch Wunder wirken. Altes Abspülen und gleichzeitig die Kraft des Wassers aufnehmen.

Nimm dir doch beim nächsten Bad viel Zeit und ein besonders gutes Shampoo und reinige deine Haare rituell.

Ganz besonders gerne tu ich dies in Flüssen, Seen und im Meer.

4. ERDE

Vielleicht möchtest du einmal ausprobieren deine Haare zu vergraben. Der Erde seine Haare zurückzugeben beruhigt. Verbindet.

Dazu gräbst ein Loch in den Boden. Entweder im Garten oder im Wald. An einer geschützten Stelle. Gebe die Haare achtsam in die Vertiefung. Vielleicht möchte ein schöner Stein, eventuell sogar ein Edelstein, dazu. Blumen und Samen, Nüsse oder Früchte eignen sich ebenfalls als Beigabe. Sei dir bewusst, was du alles loslässt und vertraue dich dem ewigen Kreis des Lebens an.

Du verbindest dich auf diese Weise und je nach Intention auch in ganz besonderer Form mit deinen Ahnen. Den Menschen, die den Boden bereitet haben, auf dem du heute gehst. Die Welt ist ein wandelnder Friedhof. Alles was war, ist dort zur Ruhe gebettet und wartet darauf entdeckt zu werden.

5. EHREN

Du kannst abgeschnittene Haare auch einige Zeit auf deinem Altar, oder einem geschützten Ort in deiner Wohnung aufbewahren. Ihre Kraft bewahren und nutzen. Das geht mit einem langen Zopf, den du rituell abtrennst genauso wie mit dem Knäul an Haaren, die du vom nächsten Friseurbesuch mitnimmst.

Eine Freundin von mir erzählte mir mal vor vielen Jahren, dass sie ihre Haare prinzipiell mitnimmt nach dem Friseurbesuch. Der hat am das am Anfang ganz merkwürdig gefunden, weil das noch nie jemand vor ihr gemacht hat. Ich muss zugeben, dass mir das beim ersten Mal auch irgendwie unangenehm war diese Bitte auszusprechen. Seltsam. Sind doch meine Haare.

Das Ehren des Haares macht Sinn, wenn du den Dingen, die waren, danken möchtest. Also immer.

6. KÄMMEN

Rituelles Haarekämmen ist eine gute Idee, wenn es etwas zu Lösen gibt, Knoten im Kopf, Noten im System, Knoten im Gefühl.

Setz dich also hin und nimm dir Zeit deine Haare zu lösen, die Stränge zu ordnen. Du kannst dir dabei natürlich auch eine Kerze aufstellen und schöne Musik anmachen. Stell dir dann vor, wie pures Gold (oder eine andere Farbe), mit jedem deiner Striche in oder um jedes einzelne Haar fließt. Es sanft ummantelt.

Du kannst auch mit einem bestimmten Thema einen Zopf binden und um ihn dann wieder zu lösen und die Haare zu kämmen. Damit ordnest, kämmst und löst du auch einen Teil der Resonanz in dir.

Ich liebe es meine Haare zu kämmen. Je länger sie sind, desto mehr genieße ich es. Vor allem das Kämmen an der Kopfhaut, wenn meine Haarwurzeln sich bewegen. Das ist wie Meditation.

7. SCHÖNHEIT

Vielleicht ist es auch an der Zeit ein Schönheitsritual mit deinen Haaren zelebrieren. Wir dürfen auch außen schön sein!

So eine klassische Wellnessauszeit kann zutiefst nährend sein. Nimm dir bewusst Zeit für dich. Gute und wertvolle Öle gibt es inzwischen für das Haar. Bier als Spülung und ein Schlückchen zwischendurch ist auch eine gute Idee. Ernsthaft. Es gibt nichts besseres, meine Haare glänzen toll und der Geruch verfliegt ganz schnell. Im Kreis von Freundinnen macht dieses Ritual, wie die meisten, noch viel mehr Freude. Ob mit oder ohne Bier.

Auch ein Haarpackung mit Freundinnen kann Magie sein. Auch wenn ich das Laute lachen der echten Hexen, die diesen Beitrag lesen, bis hierher hören kann. Ja, auch das kann Magie sein und Wirkung entfalten, wenn es bewusst getan wird.

Haarschmuck

Es braucht nicht immer den ganzen Schnickschnak bei Ritualen. Pur und einfach kann genau so gut sein. Vor allem bei Haaren, denn die sind ja Teil deiner Selbst. Lebendiger Ausdruck deines Weges mit all seinen Erfahrungen.

Wenn du mit ihnen tust sei dir bitte der Verantwortung bewusst. In vielen Kulturen ist der Zauber von körpereigenem Material ganz selbstverständlich magisch. Voodoopuppen und Opfergaben in Tempeln sind ganz bekannter Ausdruck kulturellen Umgangs mit Haaren. Opfergaben sind ein Thema für sich. Ich persönlich arbeite nicht damit. Bitte prüfe genau, was du tust und in welcher Intention.

An dieser Stelle die dringende Bitte, Haare nur in Ritualen für dich selbst zu verwenden. Es gibt viele fragwürdige schwarzmagische Rituale und Liebeszauber, die wir vielleicht auf den ersten Blick belächeln. Da ich aber nicht nur an die Wirkung von Ritualen glaube, sondern um sie weiß, nehme ich das sehr ernst.

Wir können nicht vollkommen abschätzen, was unser Tun für Auswirkungen haben wird. Die kraft und Magie der Haare ist so mächtig, dass ich niemals für und mit anderen Haaren arbeiten würde. Außer natürlich mit der Person, deren Haare es sind und für sie selbst. Setze dein Haar zum Wohl von dir selbst und dem großen Ganzen ein, niemals um jemanden zu beeinflussen. Und achte auf deine Ausrichtung. Die klare Intention deines Wirkens ist unglaublich wichtig.

Die Kraft der Erneuerung

Eine Veränderung auf deinem Kopf bewirkt auch immer eine Veränderung darin. Und weit darüber hinaus. Unsere Systeme sind viel dichter verwoben, als es auf den ersten Blick scheint. Wenn du also etwas verändern möchtest, ist es eine gute Möglichkeit bewusst Haare wachsen zu lassen, oder sie bewusst zu schneiden. In diesem Teil des Artikels werde ich ziemlich persönlich und erzähle dir meine Haargeschichte. Meine immerwährende Wandlung auf und mit meinem Kopf und seinen Haaren. Die Wandlung liegt einfach in meiner Natur. Das begleitet mich schon mein ganzes Leben. Und meine Haare waren schon immer Teil des Ausdrucks dieser Qualität. Gelebt habe ich das schon immer. Erkannt allerdings natürlich erst viel später.

Haare wachsen lassen

In einigen Kulturen war und ist es üblich die Haare nicht zu schneiden, denn sie gelten als Verbindung mit der geistigen Welt. Indianerinnen haben nicht umsonst einen festen langen Zopf. Du kannst sie dir als eine Art Antenne vorstellen, die Informationen von dir aussendet und gleichzeitig aufnimmt aus dem Kosmos.

In manchen Regionen ist das Schneiden der Haare eine Art der Bestrafung. Die Vorstellung, Haare zu scheren verursacht bei mir alleine beim Gedanken daran, dass mir „die Haare zu Berge stehen“ und ein Schauer jagt über meinen Rücken. In Tempeln sind lange Haare auch heute noch Opfergaben. Leider verkaufen die Mönche die Haare teilweise und bereichern sich daran. Stichwort Indisches Tempelhaar.

Haare bewusst lang wachsen zu lassen hat eine besondere Kraft. Dabei geht es weniger um die Optik, als um die tiefe Bedeutung und Verbindung. Im Film Avatar verbinden sich die Personen über ihre Zöpfe, eine Art Haarwurzeln, miteinander und auch mit verschiedenen Naturwesen und Pflanzen. Das zeigt wunderschön, wie wir alle miteinander verbunden sind und unsere Haare können Ausdruck davon sein.

Vor ein paar Jahren, nach einer Phase des radikalen Kurzhaars, war mich danach meine Haare wachsen zu lassen. Seitdem habe ich sie sehr selten schneiden lassen.

Dabei stört es mich übrigens überhaupt nicht, dass sie nicht gleich lang sind. Im Gegenteil, ich bin immer froh, wenn sie nach ein paar Wochen wieder zipfelig sind.

Haare schneiden

Haarschnitte sind mehr als Mode. Der Schnitt war und ist auch immer ein Ausdruck unseres Selbst. Nicht umsonst schneiden Frauen sich häufig in oder nach Krisenzeiten die Haare. Das kann Ausdruck von Befreiung sein. Denn in den Haaren sind ja die Informationen und Erfahrungen der Vergangenheit gespeichert. Es macht also durchaus Sinn sich zu manchen Zeitpunkten die Haare zu schneiden. Der Begriff “Lebensabschnitt” bekommt dadurch nochmal eine andere Bedeutung.

Besonders viel Kraft hat das, wenn das rituell getan wird. Und am besten von dir Selbst. Ich habe mir zwei Mal im Leben die Haare selbst geschnitten. Von ganz lang auf ratzekurz.

Das erst Mal war ich drei Jahre alt. Mein Bruder war ein halbes Jahr alt und ich furchtbar eifersüchtig. Eines Tages war ich anscheinend so wütend, dass ich mir eine Schere geschnappt habe und meine langen Haare ganz kurz schnitt. Meine Mutter war entsetzt. Nun, ich denke ich hatte mein Ziel erreicht. Ich hatte meiner Wut und meinem Protest Ausdruck verliehen und endlich wieder die Aufmerksamkeit, die ich haben wollte. Meine Mutter erzählt diese Geschichte heute noch.

Das zweite Mal war ich Mitte dreißig und schnitt meine Haare in einem Kali-Ritual. Kali ist eine indische Gottheit und Symbol für die Kraft der Verwandlung und Zerstörung.

Dort, in dieser Hütte in Frankreich mit 12 anderen Frauen, machten wir eine wirklich kraftvolle Kali-Atemmeditation. Ganz zum Schluss, als die Energie ihren Höhepunkt erreichte, packte ich mir eine Schere und schnitt meine langen Haare ab. Die anderen bemerkten das teilweise erst Stunden später. Manche waren beeindruckt, andere fanden das sehr befremdlich und ein paar der Frauen lachten herzhaft mit mir über mich. Ich liebe es, über mich und meine manchmal sehr extravaganten Aktionen zu lachen.

Doch bei aller Leichtigkeit, dieser Schnitt war unglaublich wichtig für mich. Er hatte enorme Auswirkungen auf mein Entwicklung. Ich fühlte mich frei und selbstbestimmt mit den kurzen Haaren. Und auch optisch gefiel ich mir einige Jahre gut damit.

Die abgeschnittenen Haare verwendete ich übrigens zu verschiedenen Dingen. Hier ein paar Anregungen, was du mit deinem abgeschnittenen Zopf tun kannst:

  • Bilder: einen Teil meines Kalizopfes verwandelte ich in Bilder. Schwarz, rot, Haar und ein paar Glasscherben waren Ausdruck meiner Wut und Zerstörungskraft in diesen Tagen.

  • Kraftstab: auf einem großen Holzstab, den ich rituell anfertigte und verzierte, platzierte ich einen Teil des Kalihaare ganz oben. Mit Glasscherben drumrum.

  • Trommelschlegel: Das ist mein neuestes Projekt, ich weiß also noch nicht, ob es funktioniert. Ich möchte mir gerne einen Trommelschlegel aus meinen Haaren und dem meiner Töchter filzen. Ich werde berichten ob und wie das funktioniert.

Ganz besonders viel Kraft und Magie hat übrigens alles was du mit deinen Haaren tust in Verbindung mit deinem Blut. Ich weiß, das ist ein heikles Thema. Und damit ist weder zu spaßen, noch leichtfertig umzugehen. Das ist Magie pur. Also sei achtsam und klar, wenn du damit tust. Wenn du mehr zum Umgang mit Blut in Ritualen lesen magst, lies gerne hier weiter…

BLUT UND RITUALE

Eine neue Art mit Haaren umzugehen, und der Anlass dieses Blogs, ist die Dreadkunst. Im Sommer diesen Jahres begegnete ich Kyra. Dreads fand ich schon immer toll. Bei anderen. Ich hatte nie den Plan selbst mal welche zu haben. Das änderte sich, als ich Kyra traf. Ein alter Traum erwachte: “Viele Haare”. Doch dazu erstmal…

Die Geschichte meiner Haare

Ich hatte schon immer feines Haar. Und der Traum von vielen und besonders dicken Haaren hat mich schon einige Dinge tun lassen.

Mit 13 flocht ich mir eine zeitlang jeden Abend eine Menge kleiner Zöpfe, die ich dann morgens mühsam wieder aufzwirbelte um eine Art Afrobob auf dem Kopf zu haben. Volumen hatte ich dann, kombiniert mit meinem damaligen Hang zu Holzfällerhemden und Latzhosen könnt ihr euch vorstellen, wie das aussah. Mit Freunden, die da live dabei waren lache ich mich heute noch über die Bilder von damals schlapp.

Meine Haare waren schon immer ein großes Experimentierfeld von mir. Mit 11 hatte ich glaube ich meine erste Dauerwelle, habe dann alle Haarfarben von grün bis blau ausprobiert – wobei das Grün tatsächlich aus der Kombination des Blaus im Schwimmbad entstanden ist – und alle Längen von kurz bis mittellang.

Anfang 20 hatte ich eine schweineteure Haarverlängerung, bei der ich nach 4 Wochen heilfroh war, als sie endlich wieder meinen Kopf verlassen hat. Ich fand diese Klebepunkte ganz grausig und hasste das Gefühl meine Haare nicht kämmen zu können.

Sah auch nicht so dolle aus, glaub ich. Dann folgte eine ziemlich lange, ziemlich langweilige Phase von Anfang zwanzig bis Anfang dreißig, in der meine Haare blond, gesträhnt, lang und so richtig schön waren.

Damals hatte ich auch die erste und einzige Friseurin an meiner Seite, die mich und meine Haare verstanden hat und sie einfach wirklich schön gemacht hat. Danke Corine, das waren tolle Zeiten!

Ein Jahr nach der Hochzeit (an der ich meine Haare echt klassisch, schön und hochgesteckt hatte), hatte ich das Bedürfnis meine Haare abzuschneiden. Gesagt, getan. In der Schwangerschaft erstmal schulterlang. Als Mira 8 Monate alt war ohrenlang, dann ein paar Wochen später streichholzkurz.

Ich habe mich sehr wohlgefühlt damit. Stark und frei. Selbstbestimmt und irgendwie auch sexy. Irgendwann wollte ich sie aber wieder wachsen lassen. Weicher werden. Weiblicher. Und die spirituelle Dimension von Haaren eröffnete sich mir. Ich wollte sie als meine Antennen erfahren und nutzen. Lies sie gar nicht mehr schneiden.

Mit den Jahren wurden sie also immer länger. Ich bin ja nicht so der Fan von halblang. Entweder ganz kurz oder ganz lang. Alles dazwischen is nicht so Meins.

Vor ein paar Jahren wurde dann mein alter Wunsch nach viel Haar wieder wach.

Der Versuch mir eine Haarpracht zu zaubern mit Rastazöpfen war mehr schlecht als recht. Wobei es sich toll anfühlte und anfangs auch gut aussah. Im Sommer 2018 ließ ich mir 8 Stunden lang Zöpfe flechten. 3 Wochen später musste ich sie 4 Stunden wieder aufflechten, weil sie so fusselig aussahen, und stellte fest, das meine Haare total kaputt und abgebrochen waren. Experiment gescheitert und ich noch weniger Haare auf dem Kopf.

So. Und dann traf ich im Sommer Kyra. Und die Idee von Dreads auf meinem Kopf war geboren.

Magische Dreads

Ich kann das gar nicht so ganz beschreiben, denn Kyras Art Dreads zu Formen ist eine Mischung aus Kunst und Meditation. In einer unglaublichen Ruhe häkelte sie stundenlang an meinen Haaren. Wir trafen uns mehrere Male und brauchten viel länger als gedacht, weil ich ganz dünne Dreads wollte. Und weil meine Haare sehr fein sind und die Haare, die ich mir als Verlängerung besorgte wohl eher suboptimal waren.

Nun, meine Dreads entpuppten sich als Projekt. Und das war gut so. Denn- sie sind mega magisch. All die Gespräche mit Kyra flossen hinein, die Prozesse, die ich in dieser Zeit durchlebte. Kunst ist mit ihnen entstanden, denn ich fühle sie als meine Kopfwurzeln. Faszinierender Weise fühle ich mich tatsächlich rein körperlich viel verbundener seit ich die Dreads auf meinem Kopf habe. Und- ich habe endlich eine Haarpracht! Viele Haare. Dicke Haare. Schwere Haare. Geschmückte Haare. Ich liebe sie.

Und ich habe nur den halben Kopf gedreadded (schreibt man das so?), das gefällt mir besonders gut. Welten vereint.

Und- sie sind rot! Verschiedene Rottöne hab ich mir da “aus Versehen” gefärbt. Jetzt hab ich Haare, die aussehen wie Feuer.

Haare färben

Wie ich schon erwähnt habe, hatte ich glaube ich schon alle möglichen und unmöglichen Haarfarben. Seit vielen Jahren färbe ich nun meine Haare mit Henna und bin damit glücklich und zufrieden. Das Haarefärben ist für mich ein kleines monatliches Ritual geworden.

Ich liebe den Geruch und die Haptik von Henna. Wenn die Masse ein paar Stunden auf meinem Kopf gewirkt hat und sie rote Soße unter der Dusche über meinen Körper fließt, fühle ich mich sehr verbunden und geerdet. Außerdem sind alle Friseure total von meiner Haarfarbe begeistert, weil das Henna die grauen Haare hellrot färbt und solche perfekten Strähnen anscheinend der Traum der Friseure sind.

Gute Friseure sind für mich übrigens Künstler. Nicht nur, dass sie Hochsteckfrisuren zaubern, die viele Stunden brauchen um ihre Gestalt anzunehmen, sie machen Kunst am Menschen. Jeden Tag. Helfen im Idealfall, das Innere in ein schönes Äußeres zu übersetzen.

Die Magie und Wirkung der Haare wird in unserer Gesellschaft oft nur durch Schönheit sichtbar. Dabei sind sie so viel mehr. Haare in Ritualen einzusetzen kann enorme Wirkung haben. Wie so vieles ist das nur schwer erklärbar und wenig beschreibbar. Vielleicht kannst du durch meine Worte ein wenig erahnen und fühlen, was geschehen kann, wenn du mit deinen Haaren bewusst umgehst.

Ich freue mich, wenn du mir deine Haargeschichte erzählst und vielleicht hast du Lust von Ritualen im Zusammenhang mit deinem Haar zu berichten. Schreib das gerne in die Kommentare, wenn du magst.

In Liebe

Nina

Zopf Blume

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